| Veranstaltung: | Landesmitgliederversammlung | 17. - 19.04.2026 | Heidelberg |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 7 V-Anträge |
| Status: | Beschluss |
| Beschluss durch: | Louis Glaser |
| Eingereicht: | 13.04.2026, 19:47 |
Psychische Erkrankungen ernst nehmen, für die gerechte Bezahlung von psychotherapeutischen Leistungen!
Beschlusstext
Am 11. März hat der Erweiterte Bewertungsausschuss eine Absenkung der Vergütung
ambulanter psychotherapeutischer Leistungen beschlossen. Durch diesen Beschluss
erhalten Psychotherapeut*innen seit 01. April 4,5% weniger für eine
Therapiestunde mit gesetzlich versichertem Patient*innen.
Mit dieser Honorarkürzung wird neben der Kapazität zwangsläufig auch die
Qualität von Psychotherapie leiden. Schon heute ist die Versorgungssituation für
viele psychisch erkrankte Menschen angespannt, so liegt die durchschnittliche
Wartezeit auf einen ambulanten Psychotherapieplatz bundesweit bei 4-6 Monaten,
was zu sich verschlechternden persönlichen Situationen und massiven Ausfällen in
den individuellen Lebenswegen führt [1]. Die Vergütung ambulanter Psychotherapie
abzusenken, ist nicht nachvollziehbar und gesundheitspolitisch ein klarer
Rückschritt. Wenn sich die Behandlung von gesetzlich versicherten Patient*innen
weniger lohnt, sind Therapeut*innen zwangsläufig darauf angewiesen mehr
Privatpatient*innen zu behandeln, wodurch die Plätze für gesetzlich Versicherte
noch knapper werden. Die Belastung durch die Honorarkürzung ist also ungleich
verteilt.
Menschen mit psychischen Erkrankungen brauchen schnelle, verlässliche und
qualifizierte Hilfe. Ambulante Psychotherapie leistet genau das. Sie entlastet
das Gesundheitssystem, schafft durch frühere Hilfe bessere Zukunftschancen für
Kinder und Jugendliche, verhindert schwere Verläufe und stärkt langfristig
gesellschaftliche Teilhabe von Betroffenen. Verspätete oder nicht geleistete
Psychotherapie kostet später durch stationäre Aufenthalte und Arbeitsausfälle
mehr. Eine Gesundheitspolitik, die psychische Erkrankung ernst nimmt, darf diese
Versorgung nicht schwächen!
Deshalb fordern wir:
- Eine politische Strategie zur nachhaltigen Stärkung der ambulanten
psychotherapeutischen Versorgung
- eine Vergütungsstruktur, die der gesellschaftlichen Bedeutung psychischer
Gesundheit gerecht wird
- Angemessene Vergütung psychotherapeutischer Leistungen gesetzlich
angemessen regeln!
- Eine Versorgung Psychotherapeuthischer Plätze, die sich am tatsächlichen
Bedarf und nicht an der reinen Einwohnendenzahl orientiert.
Einfache Sprache
Am 11. März hat der Erweiterte Bewertungsausschuss beschlossen:
Psychotherapeutinnen bekommen für ihre ambulante Arbeit weniger Geld. Seit dem
1. April bekommen sie für eine Therapiestunde mit gesetzlich versicherten
Patientinnen 4,5 Prozent weniger Geld.
Diese Kürzung hat Folgen. Es gibt dann wahrscheinlich weniger Therapieplätze.
Auch die Qualität der Behandlung kann darunter leiden.
Schon heute ist die Situation schwierig. Viele Menschen mit psychischen
Erkrankungen warten lange auf einen Therapieplatz. Im Durchschnitt warten sie in
Deutschland 4 bis 6 Monate auf eine ambulante Psychotherapie. In dieser Zeit
können sich ihre Probleme verschlimmern. Das kann das Leben der Betroffenen
stark belasten.
Darum ist es nicht verständlich, dass die Bezahlung für ambulante Psychotherapie
gekürzt wird. Diese Entscheidung ist ein Rückschritt in der Gesundheitspolitik.
Wenn Psychotherapeutinnen für die Behandlung von gesetzlich versicherten
Patientinnen weniger Geld bekommen, behandeln sie vielleicht mehr
Privatpatient*innen. Dann gibt es für gesetzlich Versicherte noch weniger freie
Therapieplätze. Die Folgen der Kürzung sind also nicht für alle gleich. Vor
allem gesetzlich versicherte Menschen sind betroffen.
Menschen mit psychischen Erkrankungen brauchen schnelle, verlässliche und gute
Hilfe. Ambulante Psychotherapie kann genau das leisten. Sie entlastet auch das
Gesundheitssystem. Kinder und Jugendliche bekommen durch frühe Hilfe bessere
Chancen für ihre Zukunft. Schwere Krankheitsverläufe können verhindert werden.
Außerdem können Betroffene besser am gesellschaftlichen Leben teilhaben.
Wenn Psychotherapie zu spät beginnt oder gar nicht stattfindet, entstehen später
oft höhere Kosten. Zum Beispiel durch Krankenhausaufenthalte oder
Arbeitsausfälle. Eine Gesundheitspolitik, die psychische Erkrankungen ernst
nimmt, darf diese Versorgung nicht schwächen.
Deshalb fordern wir:
- Die Politik muss dafür sorgen, dass die ambulante psychotherapeutische
Versorgung dauerhaft besser wird.
- Psychische Gesundheit muss ernster genommen werden. Darum müssen
Psychotherapeut*innen fair bezahlt werden.
- Die Bezahlung für psychotherapeutische Leistungen muss gesetzlich klar und
angemessen geregelt werden.
