Veranstaltung: | Landesmitgliederversammlung | 9. - 11.5.2025 | Filderstadt |
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Tagesordnungspunkt: | 3 Mehr Mut zur Jugend - Politik nur mit uns! |
Antragsteller*in: | Landesvorstand GRÜNE JUGEND Baden-Württemberg (Beschluss vom 28.3.2025) |
Status: | Eingereicht |
Eingereicht: | 28.03.2025, 10:48 |
A7: 6. Fairen Einstieg ins Berufsleben gewährleisten
Antragstext
Junge Menschen brauchen faire Chancen für einen erfolgreichen Berufsstart –
egal, ob sie sich für eine Ausbildung oder ein Studium entscheiden. Deshalb
fordern wir die staatliche Übernahme der Gebühren einer Erstausbildung und eine
Kostenübernahme für Aus- und Weiterbildungsmaterial, um Aus- und Weiterbildungen
gerade im Handwerk attraktiver zu machen. Die Meisterprämie soll darüber hinaus
erhöht werden und die gesamten Kosten der Meisterausbildung ausgleichen. Die
Meistergründungsprämie soll auf 48 Monate ausgeweitet werden, um mehr jungen
Handwerker*innen die Selbstständigkeit zu ermöglichen. Ein Freiwilliges
Handwerksjahr soll jungen Menschen die Möglichkeit geben, das Handwerk praktisch
kennenzulernen. Zudem fordern wir, dass Azubis die gleichen Privilegien wie
Studierende erhalten, wie beispielsweise vergünstigte Eintritte in Kultur- und
Freizeitangebote.
Berufliche und akademische Bildung müssen endlich gleichgestellt werden und auch
entsprechend angesehen werden! Deshalb fordern wir verpflichtende Praktika in
Ausbildungsbetrieben oder auf Bauernhöfen für Schüler*innen aller Schularten, um
ein Verständnis für die Arbeit im Handwerk zu vermitteln. Anstatt Berufsschulen
zu schließen, müssen diese gestärkt und wohnortnah erhalten bleiben. Dies kann
vor allem durch flexiblere und zukunftsgerichtete Klassenteiler erfolgen. Zudem
sollen Produktionsschulen eingeführt werden, um jungen Menschen ohne
Schulabschluss bessere Perspektiven zu ermöglichen.
Niemand darf wegen finanzieller Hürden von einer Ausbildung abgehalten werden.
Deshalb müssen Führerscheinkosten für Auszubildende im Handwerk oder in der
Landwirtschaft staatlich übernommen, die ÖPNV-Kosten für Azubis erstattet und
Wohnheime für Auszubildende stärker gefördert werden. Wir setzen uns für eine
Ausbildungsgarantie ein, die Unternehmen in die Pflicht nimmt, ausreichend
Ausbildungsplätze bereitzustellen. Darüber hinaus muss die Abschaffung der
Studiengebühren für internationale Studierende endlich erfolgen.
Ein fairer Berufseinstieg braucht mehr Flexibilität: Teilzeitausbildungen im
Handwerk müssen ausgebaut, berufsbegleitende Weiterbildungen attraktiver,
Zweitausbildungen verkürzt und Teilleistungen für Menschen mit Behinderungen
zertifiziert werden. Gerade bei Teilzeitausbildungen braucht es mehr finanzielle
und personelle Kapazitäten. Menschen, die durch den momentan stattfindenden
Stellenabbau ihren Arbeitsplatz verlieren, sollen Umschulungen oder eine
Rückkehr ins Handwerk attraktiv gemacht werden. Zudem sollen Auszubildende
verpflichtend eine Station beim Betriebsrat durchlaufen, um ihre Rechte
kennenzulernen. Lebensarbeitszeitkonten für Beamt*innen müssen endlich umgesetzt
werden, um die Arbeitszeit flexibler zu gestalten.
Tarifbindung muss endlich konsequent gestärkt werden! Beschäftigte in
tarifgebundenen Unternehmen verdienen in der Regel mehr, und wo nach Tarif
bezahlt wird, sind die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen geringer.
Aktuell verdienen Frauen deutschlandweit 16% weniger als Männer - stärkere
Tarifbindung könnte dazu beitragen, den Gender Pay Gap zu verringern und damit
zur Entgeltgerechtigkeit beitragen. Deshalb fordern wir, dass Baden-Württemberg
eine Stärkung des Landestariftreuegesetz beschließt. Nach dem Vorbild Nordrhein-
Westfalens soll ein Lohnatlas für Baden-Württemberg entwickelt werden, um
geschlechtsspezifische Gehaltsunterschiede sichtbar zu machen und gezielt
Maßnahmen zur Lohngerechtigkeit zu fördern.